Northampton Stories

Welcome to NoHo

Welcome to NoHo

 

 

Zuerst veröffentlicht am 7. September 2014.

Die ersten beiden Nächte in Northampton verbrachte ich in einem Inn nahe des Highway 91 gen Kanada in einem Queensizebett. Dort genoss ich erstmalig amerikanisches TV. Da sich das aber als intellektuelle Körperverletzung entpuppte, machte ich mich bald auf, um Northampton zu erkunden.

9154593_IMG_8406.jpg

„NoHo is the city that never sleeps“ hat man mir erklärt

Northampton, von geneigten Hipstern NoHo genannt, ist eine Stadt von 30 000 Einwohnern im Herzen des Pioneer Valley im westlichen Massachusetts. Gerne auch Happy Valley genannt, ist die Region eine Hochburg des alternativen Lebens in den USA und Northampton ist ihr Zentrum und die nördlichste Stadt des „Knowledge Corridors“. Dieser erstreckt sich vom südlichen Connecticut zum nördlichen Massachusetts und bezieht seinen Namen von den vielen Colleges die hier angesiedelt sind. Allein in unmittelbarer Nähe von Northampton befinden sich fünf der besten Colleges der USA und Smith College ist eines davon. Im letzten US-Census wurde Northampton zur liberalsten amerikanischen mittelgroßen Stadt erklärt.

20140902_180348

Paradise City

Northamptons Status als progressive Gemeinschaft, die sich für die Gleichheit aller seiner Bewohner einsetzt ist  historisch verankert: Von 1842 bis 46 hatte sich hier eine utopische Gemeinschaft niedergelassen, die die Speerspitze der Bewegung für die Abschaffung der Sklavenhaltung und für die Gleichbehandlung aller, egal welchen Geschlechts, Hautfarbe oder Glauben, bildete. Wohl wegen dieser fortschrittlichen Gedanken wurde Northampton fortan auch „Paradise City“ genannt. Heute ist einer der meist verbreiteten Nicknames der Stadt allerdings „Lesbianville“ wegen seiner großen LGBTQ- Gemeinschaft, die sich, ganz im Geiste der Bewegung des 19. Jahrhunderts, hier angesiedelt hat.

20140829_162510

Haymarket Cafe – Treffpunkt für die gesundheitsbewussten Hipster

Und in der Tat wirkt NoHa wie eine in Patchouliduft getränkte Utopie. Auf der Main Street reiht sich ein alternativer Bookshop an den anderen, gelegentlich unterbrochen von dem obligatorischen Ethnoschmuck-Geschäft oder einem Naturkostladen. In den vielen Cafés sitzen die Studenten der nahen Colleges mit ihren Apple Computern, daneben elegant ein Werk eines europäischen Existenzialisten drapiert und schlürfen ihren Smoothie mit Spirulina, Chiaseeds und Ginseng.

Obwohl ich erst drei Wochen hier bin, kenne ich viele Ladeninhaber bereits persönlich. Da wäre der nette Pakistani mit der angenehmen Stimme, der mir meinen Telefonvertrag verkaufte und meint, „Gays“ seien gefährlich. Der Türke, der „Pizza Amore“ betreibt und Verwandte in Hamburg hat, der Ecuadorianer im Ethnoshop und die Smith Graduate im anderen Ethnoshop, deren Freundin durch Räucherstäbchen einen Brand im Smith-Wohnheim auslöste. Smith College ist hier eine feste Größe und sobald man sich als „Smithie“ zu erkennen gibt, wird man äußerst zuvorkommend behandelt.

 

9154681_IMG_8538.jpg

Northampton ist Gastgeber von Amerikas größter Art Fair

20140823_180637

In NoHa geht man noch zu Fuß. Ungewöhnlich für eine amerikanische Stadt

Auf den Straßen der Stadt ist immer etwas los, zu jeder Tages- und Nachtzeit konkurrieren mindestens zwei Straßenmusiker um die Gunst der entspannten Passanten. Kunst spielt hier eine sehr große Rolle, es gibt zahlreiche Galerien und viele Künstler sitzen auf den Bänken auf der Mainstreet und malen. Und so hat Northampton seinen eigenen entspannten Charme.
Als ich vor einigen Tagen ein nervenaufreibendes einstündiges Telefonat mit meiner deutschen Bank führte, saß ich auf einer Bank an der Main Street. Ich war genervt angesichts der Tatsache, dass ich kein Geld vom Automaten bekam, doch neben mir saß in aller Seelenruhe ein silberhariger Maler und zeichnete mit Hingabe und Ruhe eine Blumenranke, während ich auf die Deutsche Bank Mitarbeiterin einredete. Das verlieh der Situation doch eine gewisse Poesie und relativierte die Aufregung. (Dass er nach Ende des Telefonates das Wort ergriff um zu verkünden, er wolle nun nach Germany traveln, um in der Bank Amok zu laufen, soll hier jedoch nicht verschwiegen bleiben. Nichts ist so wie es scheint…)

Mein Glückssträhne bezüglich Schenkungen ging übrigens weiter. Im Hotel bekam ich ein Aufladegerät fürs Handy geschenkt und im Campus Computer Store drückte mir die schicke Inhaberin ein ausgedientes Aufladegerät für meinen Mac in die Hand. Wenn das mal kein gutes Omen ist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werbeanzeigen