Life, Love and Academia

Zuerst veröffentlicht am 10. September 2014.

Traditionell wird das neue akademische Jahr an amerikanischen Unis mit der „Convocation“ eingeleitet. Dafür begibt man sich meist festlich gekleidet in heilige Hallen und lauscht überwältigt von Gravitas den Episteln des Dekans, der über das enorme Glück, an einer Uni studieren zu dürfen, referiert.

Nicht so am Smith College.

Von Alters her nutzen geneigte „Smithies“ diesen Anlass, um sich zu zeigen, wie Gott sie schuf. Allerdings hat jedes „house“ seine eigenen Traditionen, an die sich die Hausbewohner halten sollen. Für mein house – Cutter house – wurde ein überraschend keusches Motto auserkoren : Western Style. Deshalb wurden wir in einer der zahllosen „house mails“ darum gebeten, doch bitte vom Nacktsein abzusehen und stattdessen als Kaktus oder Steppenläufer zu gehen. No kidding. Meine naive Vorstellung, mich als Cowgirl zu verkleiden, wurde schnell als unkreativ und „discriminating“ degradiert. Ausdrücklich verboten waren Verkleidungen als „Native American“, es sei denn, man sei selber einer/eine/eines. Sämtliche Verkleidungen, die Federn, Glasperlen oder Fransen enthalten würden, wurden im Vorfeld ausgeschlossen, da „racist“. Ein Kuh-Outfit wurde uns in einem persönlichen Gespräch mit dem „Head Resident“ ans Herz gelegt.

20140903_173859

Wir entschieden uns einstimmig, dieses Angebot abzulehnen. Und so gingen wir alle (nur Vincent, der einzige Mann unserer Truppe, schlang sich eine Frankreichflagge um seinen entblößten 19jährigen Körper und genoß den ganzen Abend über nonstop weibliche Begleitung), against all odds, als verunglückte Cowgirls zum Convocation Barbecue.

Das Zeitfenster zwischen Barbecue und offizieller Semestereröffnung nutzten die Undergraduates um sich hemmungslos zu betrinken. Convocation ist das einzige Event an dem dies gesattet ist. Kein Wunder, sind die Mädels doch erst zarte 17 Jahre alt, wenn sie hier beginnen.

Die offizielle Convocation fand in der monumentalen John M. Greene Hall statt. Die Feierlichkeit der Örtlichkeit statt in krassem Widerspruch zur Montur der Studentinnen. Auf der Bühne saß die „Faculty“ in ihren Roben, angetan mit Blumenschmuck und Federboas. Im Publikum ungefähr 500 alkoholisierte Studentinnen mit den unterschiedlichsten Kostümen. Die einen Evagleich, viele in Lingerie, die meisten mit Plastiksonnenblumen an den unterschiedlichsten Körperteilen. Und mittendrin die AMS-Studenten in verbotenen Westernoutfits.

IMG_3890

Die Präsidentin des College, Kathleen McCartney hielt die Convocationspeech. Beflügelt von der orgiastischen Stimmung rief sie in die gröhlende Menge, die Federboa schwenkend:

„You are global citizen. You care about fossil fuels, about the Gaza conflict and Russia violating Ukraines border“.

So empowered brachen sämtliche Dämme und es folgte minutenlanges ohrenbetäubendes Gebrüll. Daraufhin wurde ein Video eines Auftritts der Black Eyed Peas vom Times Square in NYC gezeigt und alles tanzte wild zu „I gotta feeling, that tonight´s gonna be a good night“. Als sich die Menge wieder beruhigt hatte, setze McCartney gemeinsam mit der Vize-Präsidentin und der Dekanin noch eines drauf und entledigte sich ihrer Robe. Sehr zur Enttäuschung der Anwesenden verbargen sie darunter jedoch nur ihre eigens gedruckten Convocation T-Shirts. Überraschend gesittet wurde die Veranstaltung abgerundet durch ein klassisches Lied. Während alle aus vollem Halse die Hymne schmetterten, wurde ein Mädchen von ihren geschockten Freundinnen aus dem Publikum getragen. Das ganze Gesicht voller Blut, halb ohnmächtig aber gleichzeitig noch „Gaudeamus igitur“ schmetternd. Sie wurde der Campus Police übergeben, denn man hatte es eilig – Convocation Carnival rief.

IMG_3897

Das College hatte keine Unkosten gescheut und so genoss man den Rest des Abends bei Pizza, Icecream (of course) and Lemonade (zwecks Ausnüchterung). Eine DJAne war eigens eingeflogen worden, zu deren Musik man sich ein Airbrush Tatoo machen lassen, auf einer Hüpfburgen springen oder einen mechanischen Bullen reiten konnte. Viele der Mädels flippten völlig aus und so tanzten wir bis in die späte Nacht und rundeten den Abend ab mit einem Blick in das eigens herbeigeschaffte Teleskop.

20140903_203058

Und nach einem Blick auf den von Kratern übersäten Mond konnte das neue endlich Semester beginnen.

 

 

 

Up Close and a Little Too Personal

Zuerst veröffentlicht am 29. September 2014.

Vor einigen Wochen war die Autorin Piper Kerman für ein “Up Close and Personal” am College zu Gast. Jene hatte, nachdem sie 1992 vom Smith College graduiert worden war, dadurch auf sich aufmerksam gemacht, dass sie sich in ihrer Zeit als Kellnerin in Downton Noho in eine Drogendealerin verliebte. Die verführte sie unter anderem dazu Drogen zwischen Europa und Amerika zu schmuggeln. Dies brachte Kerman ein Jahr Gefängnis ein. Aber, hey, we´re in America – das Land der 2. Chancen: Kerman schrieb ein hocherfolgreiches Buch namens “Orange is the new Black”, einem weiteren Publikum durch die erfolgreiche TV-Serie gleichen Namens bekannt. Die Serie ist hier am College ein Hit, bestimmt nicht zuletzt weil lesbischer Sex ein integraler Bestandteil der Story ist. Da Kermans Buch und die Serie solche Verkaufsschlager sind, zieht sie nun durch die Lande als prison activist und kämpft für eine Reform des Criminal Justice System. Was genau das heisst, blieb im Verborgenen. Das Event war als Interview aufgezogen, bei dem eine andere Alumna, eine Journalistin, Kerman interviewen sollte.

Der Verlauf und die Diskussionspunkte des Gespräches lehrten mich einiges über Smith und sein (oder ihr?) Selbstverständnis und war eine Art Erweckungserlebnis nach 1,5 Monaten Smith-Honeymoon-Bliss.

Nachdem Piper Kerman in bester Politikermanier mit Frisch geföhntem Haar und Etuikleid, milde in die Menge winkend die Bühne betreten und die endlosen Mikrotechnikprobleme (es gibt sie überall…) überwunden hatte, kam die Interviewerin auch schon zur Sache: Kerman solle kurz umreißen, warum ihre Smith Education so „outstanding“ war (dass diese sie straight in den Drogenhandel geführt hatte, blieb an dieser Stelle vorerst ausgeklammert). Es folgte unter tosendem Applaus die inzwischen altbekannte Abhandlung über die “incredibly strong, smart, fearless, independent Smith Women”, die alle “leader” seien. Das Publikum konnte sich kaum mehr beruhigen. Der Treffer lag auf Kermans Seite. Nach diesem schmeichelnden Präludium galoppierte man weiter zur nächsten Frage, die uns alle unter den Nägeln brannte „ How do you define your sexuality?“ Schließlich hatten die Folgen eines lesbischen „fling“ sie hinter Gittern gebracht, ist nun aber verheiratet mit einem New Yorker Journalisten. Diese Frage an zweite Stelle eines 90 minütigen Interviews zu stellen, ist typisch für den Umgang mit (lesbischer) Sexualität am College. Die eigene Sexualität ist nicht Teil einer Identität, sie ist das alles konsumierende Zentrum, so scheint es.

itnb

Smith College zeichnet sich dadurch aus, jungen Frauen den Raum zu geben, die eigene Identität zu erkunden und zu eruieren, wie sie am liebsten leben wollen. Zufällig oder nicht, gibt es hier von alters her eine große lesbische Community, die Rechte von Homo- und inzwischen auch Transsexuellen spielen eine große Rolle. In jeder Disziplin liegt ein besonderer Fokus auf homosexueller Literatur, Geschichte, Musik etc.

Das Thema der (sexuellen) Identität ist hier so delikat, dass man sich vereinzelt unsicher ist, mit welchem Pronomen frau ihre Nachbarin belegen soll. Ist sie wohl eine „she“ oder ein „he“ oder möchte sie lieber neutral „they“ sein? Für die Unentschlossenen wurde eigens das Pronom „ze“ geschaffen. Jede Begrüßungsrunde beginnt damit, dass man sich mit seinem „preferred gender pronoun“ vorstellt. Soweit so gut.

Es ist gut und wichtig, dass auf die mangelnde Gleichberechtigung von Homosexuellen aufmerksam gemacht wird. Ausserdem lohnt es sich über die gängigen Geschlechtszuweisungen und die Folgen für diejenigen, die sich damit nicht identifizieren können, nachzudenken. Es stärkt nicht nur das Verständnis für die Probleme derer, die sich nicht eindeutig mit einem Geschlecht identifizieren können, sondern lässt Einen vermeintliche gesellschaftliche Konstanten hinterfragen, die man bis dato als gegeben hingenommen hatte. Smith College nimmt als Geburtsort neuer Ideen im Kampf um Gleichberechtigung eine zentrale Rolle in den USA ein. So wird es zumindest dargestellt. Schaut man jedoch hinter die Kulissen zeigt sich ein anderes Bild. Laut meiner Geschichtsprofessorin Darcy (ja, wir nennen unsere Profs beim Vornamen, meine Creative Writing Lehrerin ist Pam), ihres Zeichens stolze SWAG (Scholar of Women and Gender) war sie 2003 die erste weibliche Assistant Professor im History Department. Als die Schriftstellerin Jill Ker Conway im Jahr 1975 zur ersten weiblichen Präsidentin des Smith College berufen wurde, musste sie sich jahrelang ein Gefecht liefern mit den Stimmen des männlichen Lehrpersonals, die eine Frau an der Spitze nicht akzeptieren konnten. Wer hätte das gedacht von einem College das landes- wenn nicht weltweit für „female empowerment“ steht?

Doch zurück zu „Das Private ist politisch“. Dies ist hier keine umstrittene Idee, sondern unumstößlicher Konsens.

Nachdem wir die Debatte um Kermans Sexualität hinter uns gebracht hatten („I’m bisexual so, I’m a member of the gay community“ – aufatmen im Publikum, wähnte man sie doch schon auf ewig verloren) kam es nach zäher Selbst-Promotion endlich auf ihr Engagement für eine Gefängnisreform. 200 000 Frauen sitzen derzeit in den USA hinter Gittern, viele sind drogenabhängig, psychisch krank oder leiden an den Folgen von sexuellem und psychischem Missbrauch. Viele der Frauen sind Mütter oder bringen während des Gefängnisaufenthaltes Kinder zur Welt. Die Unterbringung in den state prisons wird den speziellen Nöten von inhaftierten Frauen nicht gerecht, sie bekommen keine Ressourcen für ihre Kinder gestellt, keine Hilfe für ihre psychischen Leiden oder ihre Drogensucht. Nur wenige Frauen finden zurück in einen geregelten Alltag, da der Gefängnisaufenthalt sie aus ihrem alten Leben riss ohne sie auf ein neues Leben vorzubereiten. Die meisten Frauen haben entweder Hispanische oder Afroamerikanische Wurzeln, da diese wesentlich schneller verhaftet werden, als ihre weißen Kolleginnnen.

All das möchte Piper Kerman ändern. Wie blieb im Dunkeln. Es gab drängendere Fragen. Zum Beispiel die, ob sie im Knast wirklich eine lesbische Affäre hatte, obwohl sie verlobt war, wie es in der Serie dargestellt wird.

Nachdem wir uns an den Details der Gefängnisunterbringung von Frauen erfolgreich vorbei manövriert hatten, wurde die Fragerunde eingeleitet. Es gab drängende Fragen zu klären: In welchem Haus sie gelebt hätte? „Chapin House – Chapin is the best“ [minutenlanges Jauchzen, gewürzt mit Buhrufen von allen nicht Chapin-Bewohnerinnen]. Dies provozierte die unvermeidliche Frage, in welchem Zimmer sie gewohnte habe (das im 3. Stock mit Fenster zum See oder das mit Kamin?)?

Dann war die Fragerunde auch schon wieder vorbei und es wurde zur Autogrammstunde geladen. Schließlich gab es ein Buch zu verkaufen.

 

We Believe in Freedom – Do We?

Mein erstes Smith-Semester biegt in die Zielgerade ein und die Stresslevel schnellen in die Höhe. Aber guess what, unglaublich aber wahr, draussen dreht sich die Welt weiter.

Während sich die Nachrichten aus Amerika seit zwei Tagen vorwiegend um die erschreckenden Enthüllungen über die “advanced interrogation methods” der CIA drehen, sind die Erschießungen von zahllosen Afroamerikanern ohne ersichtlichen Grund durch die Polizei weiterhin ein virulentes Thema hier am College und in den USA im allgemeinen. Seit der Entscheidung der Ferguson-Jury, Darren Wilson, den Mörder Browns, nicht anzuklagen und meinem letzten Blog zu dem Thema hat sich einiges getan. Weitere, fragwürdige Details aus der „Entscheidungsfindung“ der Jury sind aufgetaucht. Wie etwa die Debatte um „Witness No. 40“, die behauptet Brown in einer bedrohlichen Pose vor Polizist Wilson beobachtet zu haben. Der linke Fernsehsender msnbc veröffentlichte einen ihrer Tagebucheinträge, der belegen soll, dass sie tatsächlich zur Tatzeit Zeugin des Geschehens gewesen sein konnte. Dieser Tagebucheintrag wirkt jedoch so fingiert, dass man kein Profiler sein muss, um ihn in Frage zu stellen. Ausserdem hatte Witness No. 40 wiederholt mit rassistischen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht und ihr Auto, mit dem sie angeblich am Tatort vorbeifuhr, wurde dort nie gesichtet. Dies wirft Fragen auf in einem Land, dass über omnipräsente Überwachungskameras – CCTV – verfügt. Und die zweifelhaften Gestalt Witness 40 ist nur ein Fragezeichen, das der Prozess der Ferguson-Jury aufwirft.

(Hier mehr zu Witness No 40: http://www.msnbc.com/all-in/watch/ferguson–was-witness-40-even-there–369446467820)

Abgesehen davon, erlebe ich hier hautnah, wie ein Land und seine – vermeintliche – intellektuelle Elite von morgen versucht, Antworten zu finden. Antworten darauf, wie man mit dem immer noch erschreckend grassierenden Rassismus im Land umgehen kann. Wieso es in einem Land mit einem schwarzen Präsidenten soweit kommen konnte, dass 12-jährige Kinder – wie im Falle von Tamir Rice – erschossen werden. Wie Männer erwürgt werden, da sie angeblich unversteuerte Zigaretten verkauften, wie im Falle Eric Garners. Und wie Michael Brown, ein 17-jähriger unbewaffneter Junge erschossen und sein Mörder nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

Und auch die Kontroverse um die, mindestens ungeschickte, College-Präsidentin Kathleen McCartney geht in eine neue Runde. Die neueste spielte sich auf Fox News ab. In einer e-Mail an alle Studenten hatte sie Unterstützung für die #blacklifesmatter Kampagne zeigen wollen, schrieb jedoch versehentlich #alllifesmatter. Was hier als ein weiterer ihrer vielen Fauxpas im Umgang mit Rassismus gewertet wurde, feierte Fox News: denn „all lives matter indeed“ und sie hätte es nur moralisch korrekt formuliert. Es ist wohl inzwischen bis nach Deutschland vorgedrungen, dass Foxnews die buchstäbliche Ausgeburt von tendenziellem, einseitigen und ultrakonservativen „Journalismus“ ist. Man ist dort stolz auf seinen Ruf als das Sprachrohr der erzkonservativen „Tea Party“… (Hier gehts zum Link zum Foxnewsbeitrag: http://insider.foxnews.com/2014/12/11/smith-college-president-kathleen-mccartney-apologizes-saying-all-lives-matter)

Unterdessen ging die Auseinandersetzung mit der Situation auf dem Campus weiter: Empörte Mails über den sprachlichen Lapsus der Präsidentin wurden durch den Äther geschickt. Passionierte Facebook-Aufrufe für eine Petition an die sturmumtoste Präsidentin, einen Bus zum Millions March in New York City, der großen Demo/Rememberance, aus Collegegeldern zu finanzieren, wurden geschaltet (stattgegeben!). Am Tag vor dem March in NYC bietet das Campus Center einen Raum voller Materialien an, mittels derer man Banner für die Demo für den Solidaritäts-March basteln kann. Man kann ihnen nicht unterstellen, dass sie sich nicht bemühen…

Und eine Gruppe von Studentinnen wurde nicht müde, an das Schicksal der Getöteten zu erinnern. Am letzten Sonntag lud der Gleeclub zu seinem alljährlichen Christmas-Carolling – Weihnachtssingen – ein. Es waren zwei Veranstaltungen angesetzt – eine am Nachmittag und eine am Abend. Um Solidarität mit den afroamerikanischen Opfern der Polizeigewalt zu zeigen, trugen viele Chorsängerinnen schwarze Seidenbänder am Handgelenk. Doch das reichte einer Gruppe von Demonstrantinnen nicht. Sie hatten sich vor der Konzerthalle positioniert und versuchten, das gutbesuchte Weihnachtskonzert zu boykottieren. Sie kritisierten den Chor, ein Weihnachtskonzert zu veranstalten, obwohl es wichtigeres gäbe. Sie sangen in Endlosschleife in ein Megafon We who believe in freedom cannot rest, We who believe in freedom cannot rest until it comes – Ella´s Song von der Gruppe Sweet Honey in the Rock.

20141207_205017

Einige der Glee-Chorsängerinnen waren zutiefst empört über die Störung ihres Konzertes und warfen ihre Solidaritätsarmbänder frustriert von sich. Nachdem das zweite Konzert mit der gedämpften Untermalung durch Ella´s Song aus dem Megafon von jenseits der Konzerthaustüren seinem Ende zuging, kam es jedoch zur Katharsis. Die Dean of Religious Affairs des College lud die Demonstrantinnen mitsamt ihrer Transparente auf die Bühne und bat uns alle gemeinsam, Ella´s Song zu singen.

Einige Tage später wurde der alltäglich Lunch in der Dining Hall unterbrochen. Eine Studentin, bewaffnet mit dem obligatorischen Megafon, erklomm einen Stuhl in Mitte der Mensa und stimmte die vertraute Melodie an. Sie und ihre 7 Mitstreiterinnen sangen aus vollem Herzen, die speisenden Gäste konnten sich jedoch nicht dazu motivieren, das Besteck aus der Hand zu legen, geschweige denn einzustimmen. Die Demonstrantinnen verlasen daraufhin die erschreckenderweise nicht enden wollende Liste der getöteten Afroamerikaner, und es dauerte gefühlte Stunden bis die Liste ihrem Ende zu kam. Ich weiss nicht, ob es sich dabei nur um das Jahr 2014 handelte oder die Liste weiter zurück reicht, aber die Anzahl von Namen war verstörend. Als die Liste endlich am Ende war, riefen die Mädels zu einer Schweigeminute auf und alle blickten betreten auf ihren Lunch (inzwischen hatten auch die Härtesten aufgehört zu essen). Eine der jüngeren Demonstrantin, selbst schwarz, brach so sehr in Tränen aus, dass sie sich nicht mehr beruhigen konnte. Als sich die lunching Ladies nach Ende der Schweigeminute wieder ihrem Essen zugewendet hatten, formten die 8 Demonstrantinnen einen Kreis, die weinende Kameradin in der Mitte, und stimmten „Lean on me“ von Bill Withers an.

Lean on me when you’re not strong

And I’ll be your friend, I’ll help you carry on

For it won’t be long

‚Til I’m gonna need somebody to lean on

Finals Week

IMG-20141203-WA0000

Nachdem ich von einem erfrischenden Thanksgiving-Break auf Cape Cod zurückgekehrt bin sieht mein Alltag zur Zeit so aus.

20141202_164955

 

Kaum zu glauben, aber mein erstes Semester am Smith College rast dem Ende zu – nur noch 1,5 Wochen, dann 1 Woche Prüfungen und es ist Schicht im College-Schacht. Ich friste deshalb mein Tage in der Library, um Themen wie „The sexed female body in post-war Europe“, Simone de Beauvoir, deutsche Frauenquote und Genozid an den Bosniern herumscharwenzelnd.

Anways, nachdem ich mir wiederholt die Knie an meinem monumentalen Arbeitsplatz – einem schweren Eichentisch – gestoßen hatte, ging ich der Situation auf den Grund und fand dies, motivational Wednesday:

20141203_152004

IMG-20141203-WA0001

 

How it all began

20140819_140600

I hereby make the following provisions for the establishment and maintenance of an Institution for the higher education of young women, with the design to furnish for my own sex means and facilities for education equal to those which are afforded now in our Colleges to young men.

Im Jahr 1870 verfügte Sophia Smith, die Tochter eines wohlhabenden Bauern aus Hatfield, Massachusetts, ihr Erbe dafür einzusetzen, ein College zu gründen – Smith College. Wie fast alle Frauen ihrer Generation, war Sophia Smith nie in den Genuss einer höheren Ausbildung gekommen. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen, forderte sie, ein College zu gründen, dass ihrem Geschlecht dieselbe hervorragende Collegeausbildung ermöglichen würde, wie es Männer bereits seit Jahrhunderten genossen. Ihrem Willen wurde Folge geleistet und im Jahr 1875 öffnete das College seine Tore für die ersten Studentinnen. Heute ist Smith College mit 2600 Studentinnen das größte Women´s College der Vereinigten Staaten und eines der besten Liberal Arts Colleges des Landes.

Die Gründung des College fällt historisch in die Zeit der aufkommenden Frauenbewegung in Westeuropa und Amerika und so wurde Smith College schnell zur Keimzelle eines aufgeklärten Feminismus.

4c_woolf_1902

Virginia Woolf

Immer am Puls der gesellschaftlichen Weiterentwicklungen packten in den 1920er Jahren einige Smithies ihre Koffer, um sich in London dem Bloomsbury Set um Virginia Woolf anzuschließen. Sie machten sich noch vor ihrer Graduation in Northampton auf, sich in London der Gruppe von Künstlern, Intellektuellen, Kritikern und Autoren anzuschließen. Gemeinsam mit ihnen suchten sie neue Antworten auf die hier noch heute so viel diskutierte Frage nach „How to live?“.

 

steinem1

Gloria Steinem

Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das College zur Brutstätte der feministischen Ideen die von 1968 an auf den Straßen des Landes ihre Ausdruck fanden. Die beiden Damen, die bis heute, wenn auch als Rivalinnen, als die Gesichter der Frauenbewegung der 1970er Jahre in den USA gelten, sind beide Smith Alumna: Gloria Steinem und Betty Friedan. Steinem graduierte 1956 bevor sie, wie sie behauptet „unfreiwillig“, zum Gesicht der Frauenbewegung der 70er Jahre aufstieg. Sie ist bis heute häufig für Lectures hier. Ihre Rivalin und Autorin des Manifests „The Feminine Mystique“ Betty Friedan machte ihren Abschluss 1942 und wurde weltberühmt durch die Organisation des Women´s Strike for Equality, bei dem sie am 26. August 1970 20 000 Frauen in New York City und Landesweit versammelte, um für Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu protestieren.

Bis heute weht der Geist dieser Frauen durch die Hallen des College, die Frauenrechte sind bis heute in allen Disziplinen ein zentrales Thema.

friedan

Betty Friedan

Smith College nimmt als Geburtsort neuer Ideen im Kampf um Gleichberechtigung eine zentrale Rolle in in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Frauenrechten in den USA ein. Die Archive der Sophia Smith Collection und des Rare Book Room ziehen Wissenschaftler aus aller Welt an, um die größte Sammlung von Briefen, Bildern und Schriften von Virginia Woolf, aber auch Sylvia Plath und Gloria Steinem zu studieren.

In den letzten Jahren wurde die Diskussion um Fragen der Frauenrechte durch die Frage nach der sexuellen Identität erweitert. Wie es auf der Website des College zu lesen ist: „Smith is a place where students are able to explore who they are in an open and respectful environment“. Um dieser Exploration nichts in den Weg zu legen, sind alle besonders bewusst im Umgang mit Geschlechtszuordnung. Das Thema der (sexuellen) Identität ist hier so delikat, dass man sich vereinzelt unsicher ist, mit welchem Pronomen seinen Nachbarn belegen soll. Ist sie wohl eine „she“ oder ein „he“ oder möchte sie lieber neutral (nicht mit gespaltener Persönlichkeit) „they“ sein? Für die unentschlossenen wurde eigens das Pronom „ze“ geschaffen. Jede Begrüßungsrunde beginnt damit, dass man sich mit seinem „preferred gender pronoun“ vorstellt. Einzig auf der Geburtsurkunde muss stehen, dass man weiblich ist, was danach passiert, insbesondere nach Eintritt im Smith College, ist erlaubt, auch wenn es sich hier offiziell um ein Frauencollege handelt.

Generell ist die Dichte von homosexuellen Frauen hier exorbitant hoch, doch das scheint noch nicht zu allen vorgedrungen sein. An den Wochenenden mischt sich aber das Studentenvolk der angrenzenden 5 Colleges auf Collegeparties. Und so kann es vereinzelt zum äußersten kommen: Männer auf einer Smith Party.

So trug es sich vor einigen Wochen zu, dass ich mich mit ein paar Mädels auf eine der legendären Parties begab, in denen sich Gleich und Gleich miteinander auf der Tanzfläche und abseits vergnügten. Wir versuchten cool zu uns unbekanntem Hip Hop zu wippen, als sich ein Mädchen aus einer Traube von 5 eng umschlungenen Mädels löste. Auf zwei verloren dreinblickenden Jungs im Pulk 19jähriger Mädels beim Nahtanz deutend raunte sie mir zu: „These guys are like so ridiculous, they don´t know we are like all gay here“. Auf meine perplexe und peinlich unüberlegte Erwiderung „But I´m straight“ hatte sie nur ein mitleidiges „Oh, good luck“ übrig, bevor sie sich wieder ihrer Sechser-twerking-Situation hingab.

Die Smith-Flure sind geprägt vom Bild sogenannter SLUG´s – Smith Lesbians Until Graduation: Und so kann es kommen, dass Meredith aus Portland beim Kennenlernentreffen des Hauses noch fromm Armbänder verteilt, die sie im „Camp“ selbst knüpfte und sich einen Monat später mit ihrer Freundin im Wohnzimmer vergnügt. Welcome to Smith…

 

 

All Pictures courtesy of Smith College Archives.

To the Mountains… Not.

Heute schrillten um 7 Uhr morgens die Glocken und läuteten Mountain day ein. Es ist der heißersehnteste Tag des noch jungen Herbst, an dem alle Veranstaltungen ausfallen und alle im gelben School bus zum apple picking fahren. Es sei denn, man hat zu tun…

IMG-20140929-WA0004

New England apple picking

 

For the record: wir konnte uns dann doch noch von unseren Schoßäpfeln losreissen.

 

 

New Beginnings…

20140819_140600

Ich war so beschäftigt mit dem organisatorischen Kleinklein, dass ich nicht bemerkte, wie sich die ersten Blätter bunt färbten. Nun ist es plötzlich einer dieser frühen Herbsttage, an denen der Himmel wolkenlos ist und die Sonne scheint, als hätte sie niemals vor, jemals zu verschwinden. Vermutlich das letzte Mal in diesem Jahr habe ich mein Sommerkleid übergeworfen und sitze auf dem Bootssteg des campuseigenen Bootshauses.

Doch, wie es dazu kam habe ich ja noch gar nicht berichtet.

20140912_173519

Mein Koffer und ich enterten Smith College am Mittwoch den 19. August. Um Punkt 12 Uhr Mittags öffnete mir ein scheinbar zugedröhnter Taxifahrer vor den Toren des Admission House die Autotür und ich geriet ohne weiteres in die bis in die Ekstase aufgepumpte Blase der International Preorientation Week (ISP). Mit ca 200 aufgeregten und überwiegend asiatischen 17jährigen „Internationals“ würde ich die nächste Woche voller appointments verbringen.

Man überreichte mir sogleich meine OneCard, die gleichzeitig Campus Cash (also die Campuswährung) und der Schlüssel zu sämtlichen Räumlichkeiten, inklusive meiner eigenen, ist. Das Smith College versteht sich darauf, nicht von dorms (also Wohnheimen) sondern houses zu sprechen und so drang ich bald mutterseelenallein in mein Zimmer vor. Dieses Abenteuer rief nicht die erwünschte Begeisterung hervor, da es stark einer Gefängniszelle glich. Bestehend aus einem Bett, einem Schreibtisch und einem Schrank. So weit so gut, hätte man nur nicht auf Bettzeug jeglicher Art verzichtet.
20140820_132358

20140820_132401

Impressionen…

Bald hatte ich mich mit meiner Zimmernachbarin verständigt, dass die Situation untragbar sei. Ein gemeinsamer Trip zu Target (ein riesiger Laden, wo man alles von Klobürste zum Tennisschläger bekommt) war für den folgenden Tag angesetzt. Wie wir allerdings die erste Nacht im auf gefühlte 10 Grad heruntergekühlten Zimmer verbringen sollten, blieb ungeklärt. Auf unseren Protest hin wurden wir daraufhin mit einer verschreckten Palästinenserin in einen Van mit Smith College-Logo verfrachtet und zum nächsten Walmart gekarrt, um das Nötigste für die Nacht zu erstehen. Die amerikanische Bedding-Situation, also Bettdecke, diverse Laken usw. erschloss sich uns jedoch nicht im geringsten und wir zogen nur mit einem Kissen unterm Arm wieder von dannen. Und so verbrachte ich die erste Nacht nur mit meiner United Airlines-Decke, die ich in weiser Voraussicht im Flieger an mich genommen hatte.

Abgesehen von der nicht regulierbaren Klimaanlage, über die jedes Zimmer verfügt, lässt unser Haus aber keine Wünsche offen. Frisch renoviert, glänzt noch alles. Obwohl wir eine hauseigene Mensa haben, haben wir auch Zugang zu einer state oft the art Kitchenette, die jedoch meistens ungenutzt bleibt. Im Foyer des Hauses thront ein Flügel, auf dem sich häufig mal mehr mal weniger begabte „Smithies“ versuchen.

Der erste Morgen am Smith College war dem „Breakfast with the President“ gewidmet. Kathleen McCartney, eine studierte Sozialpsychologin, war vorher Dean in Harvard und leitet nun seit einem Jahr die Geschicke des Smith College. Sie lud an einem Donnerstagmorgen zu einem Empfang im Alumna House, einem beeindruckendem gotischen Gebäude, wo selbst die restrooms noch mit eleganter Blumentapete und Barocksesseln versehen sind. Am Eingang stand das Empfangskomitee, bestehend aus den wichtigen Menschen des College, der Präsidentin und den diversen Deans (also Chefs der jeweiligen Departments). Wie beim Empfang der Queen flanierten wir an dieser Phalanx entlang, reichten jedem die Hand und führten gepflegten Smalltalk, bevor wir uns dem reichhaltigen Frühstück hingaben. Nachdem die Präsidentin an jeden Tisch einzeln gekommen war, um sich vorzustellen, lauschten wir ihrer motivierenden und sehr schmeichelnden Rede und tranken Tomatensaft und aßen Rührei vom Blümchenservice.

Am Nachmittag folgte dann endlich der versprochene Target-Trip: 200 aufgeregte Asiatinnen und 10 Europäerinnen bestiegen drei Busse zur Holyoke Mall. Dort irrten wir erneut durch den Laden, der die Dimensionen einer Kleinstadt aufwies, auf der Suche nach dem Nötigen, um die Zimmer bewohnbar zu machen. Auch die Beddingsituation konnte geklärt werden und so zogen wir nach drei Stunden zufrieden von dannen.

Die International Preorientation Week startet zwei Wochen vor Semesterbeginn und soll den internationalen Neuankömmlingen eine erste Starthilfe für ihr 20140827_171006Leben an einem amerikanischen College geben. So waren unsere Tage voll gepackt mit einem Meeting nach dem anderen von „How to maintain your visa status“ über „Wellness 101“ („Get enough sleep and get a vibrator“) zu Karaokesessions. Man wollte uns mit sanfter Gewalt auf die amerikanische Zeit bringen, da viele Mädels aus Asien ja eine 12h Zeitumstellung zu verkraften hatten.

20140824_154846

„Gender and Sexuality“ group discussion

Da die Toleranz gegenüber jeglicher sexueller Orientierung ein großes Thema am Smith College ist, war eine der Einführungsveranstaltungen dem Thema „Gender and Sexuality“ gewidmet. Angeleitet von einem netten halbdeutschen Transgender Mann namens Toby, der seinerzeit als Frau am Smith College begonnen hatte zu studieren, wurden wir in die Serpentinen die der menschliche Körper und seine Psyche einschlagen kann, eingeführt. Er erklärte die Unterschiede von Transgender (biologisches Geschlecht und Geschlechtsidentität stimmen nicht überein) und Cisgender (biologisches Geschlecht und Geschlechtsidentität stimmen weitgehend überein), Bisexualität (man fühlt sich zu beiden Geschlechtern hingezogen, “ Ich verliebe mich in den Menschen“) und weiteren sexuellen Orientierungsmöglichkeiten. Das mag für den Außenstehenden befremdlich wirken, wenn man sich jedoch im Smith-Umfeld bewegt, sind diese Informationen geradezu überlebensnotwendig. Obwohl offiziell ein Women´s College (ausser für Graduate Studies die sind „co-ed“, also für Männer und Frauen geöffnet) gibt es hier überdurchschnittlich viele Mädels, die sich als lesbisch, „bi-curious“ oder gleich ganz transgender identifizieren. Deshalb hat man im täglichen Unileben gar nicht unbedingt das Gefühl, an einem Frauencollege zu sein, da es so viele transgender Jungs gibt (ich bin mir zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, ob das der richtige Ausdruck ist, das gilt es weiterhin zu eruieren).

 

 

20140829_172408

Paradise Pond – Campuseigener See und mein happy place

Damit wir uns untereinander besser kennen lernen, gab es jeden Abend aufwendige Dinners. An einem besonders schönen Sommerabend wurden wir zum Barbecue gebeten. Ich hatte im Gewusel meine AMS-Kolleginnen verloren und blickte suchend im Meer aufgeregter Studentinnen einher, als mich ein vergnügtes Mädchen ansprach. „I like your look, it´s so nineties“ verkündete sie und lud mich ein, gemeinsam mit ihren Freundinnen zu essen. Sie und ihre Freundinnen waren allesamt Stipendiatinnen des Bridge-Program für überdurchschnittlich begabte Studentinnen aus Familien, die sich die Studiengebühren von 60 000 $ im Jahr nicht leisten können (also ungefähr 99% Amerikas…). Als ich mich bei Veggieburger und sweet potatoe fries als Deutsche zu erkennen gab, meldete sich Jenny aus Texas zu Wort: „Germany, isn´t that near Poland?“ Nach dem wir Deutschlands topographische Lage schnell klären konnten, ratterte Jenny auf einmal unvermittelt sämtliche deutschen KZs auf polnischem Boden herunter. Ohne zu zögern verkündete sie:“ Majdanek, Sobibor, Auschwitz-Birkenau etc.“ Ihre Vorfahren waren zwar aus China eingewandert, waren aber Juden und sie hatte in einem Ort namens Candy nahe Dallas eine jüdische Privatschule besucht, mit der sie zum Ende der High School eine Tour durch Polen und Israel gemacht hatte. Und so kam es, dass ich mich an diesem Sommerabend bei einem Barbecue in New England wiederfand, mit einer Gruppe von asian-american 18jährigen Mädels über die deutsche Judenvernichtung in Polen und die Geschichte des Berges Masada in Israel diskutierend.

Ich war schwer beeindruckt, zum einen von Jenny, die so gut informiert war über all diese Themen aber auch von ihren Freundinnen, die voller Scharfsinn wie aus der Pistole geschossen eine kluge Frage nach der anderen stellten und gar nicht genug bekommen konnten, von meinem Leben in Deutschland und der jüdischen Geschichte. Es war eine sehr willkommene Abwechslung von den Debatten mit den AMS-Mädels über Kurswahl und Credits und eine Erinnerung daran, dass nichts so ist wie es scheint und schon gar nicht so ist, wie man es sich in seinem Oberstübchen im Laufe der Jahre zusammenklabüstert hat. Sicherlich repräsentieren die Mädels hier niemals den amerikanischen Durchschnitt, aber sie sind doch ein Teil Amerikas, mit ihrer Intelligenz und ihrer Neugierde.

Wenn eine Gruppe von 200 Mädchen aus aller Welt, die meisten von ihnen das erste Mal weit weg von zu Hause, auf einander losgelassen wird, gibt es aber noch wichtigere Dinge als europäische Geschichte: Karaoke and Icecream. Und so bedurfte es nach 5 Tagen in an Hysterie grenzender Atmosphäre unter lauter angehenden Freshmen keinerlei Gewalt mehr, auch uns AMSlerinnen zum Karaokesingen zu bewegen. Die sonst für Unternehmen solcher Art nötige Alkoholgabe wurde durch Icecream ersetzt und es hieß Vorhang auf für die „AMS-Girls“ und Michael Jackson´s „We are the World“. Dieses Abenteuer wurde selbstredend mittels zahlreicher Handykameras dokumentiert und umgehend auf facebook geposted, diese Daten werden jedoch zensiert bleiben.

Nach einer aufregenden und anstrengenden Woche fand die Orientation ihr Ende auf den Stufen der monumentalen John M. Greene Hall, wo wir, jede vom Fotografen einzeln positioniert, für ein Gruppenfoto in traditioneller Tracht (!) stramm standen.

 

Am nächsten Tag fand die „Honeymoonphase“ ein abruptes Ende, als wir erfuhren, was wir in diesem Semester alles zu bewältigen haben würden.

Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Tag…

20140830_213845

Where the magic happens. A lot of it.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über das leibliche Wohl

10461370_376801075804995_4783941559811987884_n

Was an europäischen Unis harter Alkohol ist, ist hier Icecream. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Collegekultur.

 

Jede Campus-Institution hat ihre eigene Icecream tradition zu der man regelmäßig eingeladen wird – die aktuelle Einladung kommt vom Smith Christian Fellowship. Das worst case scenario für einen Freitagabend bedeutet, nicht früh genug Downtown zu kommen, um auch dort wieder Icecream zu konsumieren. Nicht zu vergessen die regulären Icecream servings nach jedem Lunch und Dinner…

20140825_091730

Abgesehen von dieser Kalorienbombe nach jedem Essen, werden wir hier sehr gut verköstigt. Zu allen drei Mahlzeiten – Breakfast, Lunch und Dinner – kann man zwischen 10 Häusern und seinen unterschiedlichsten Buffets entscheiden und es gibt immer überall „healthy options“. Tofu, Tempeh und Bohnen in allen Aggregatzuständen scheinen z.zt der letzte Schrei zu sein, angesichts der zahlreichen veganen Studentinnen. Man isst meist in der Mensa, kann sein Essen aber auch überall mit hinnehmen, so zum Beispiel in den Community Garden, wo man dann zwischen selbstgezogenen Sonnenblumen sein Artichoke Stew speist.20140912_121225