Life, Love and Academia

Zuerst veröffentlicht am 10. September 2014.

Traditionell wird das neue akademische Jahr an amerikanischen Unis mit der „Convocation“ eingeleitet. Dafür begibt man sich meist festlich gekleidet in heilige Hallen und lauscht überwältigt von Gravitas den Episteln des Dekans, der über das enorme Glück, an einer Uni studieren zu dürfen, referiert.

Nicht so am Smith College.

Von Alters her nutzen geneigte „Smithies“ diesen Anlass, um sich zu zeigen, wie Gott sie schuf. Allerdings hat jedes „house“ seine eigenen Traditionen, an die sich die Hausbewohner halten sollen. Für mein house – Cutter house – wurde ein überraschend keusches Motto auserkoren : Western Style. Deshalb wurden wir in einer der zahllosen „house mails“ darum gebeten, doch bitte vom Nacktsein abzusehen und stattdessen als Kaktus oder Steppenläufer zu gehen. No kidding. Meine naive Vorstellung, mich als Cowgirl zu verkleiden, wurde schnell als unkreativ und „discriminating“ degradiert. Ausdrücklich verboten waren Verkleidungen als „Native American“, es sei denn, man sei selber einer/eine/eines. Sämtliche Verkleidungen, die Federn, Glasperlen oder Fransen enthalten würden, wurden im Vorfeld ausgeschlossen, da „racist“. Ein Kuh-Outfit wurde uns in einem persönlichen Gespräch mit dem „Head Resident“ ans Herz gelegt.

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Wir entschieden uns einstimmig, dieses Angebot abzulehnen. Und so gingen wir alle (nur Vincent, der einzige Mann unserer Truppe, schlang sich eine Frankreichflagge um seinen entblößten 19jährigen Körper und genoß den ganzen Abend über nonstop weibliche Begleitung), against all odds, als verunglückte Cowgirls zum Convocation Barbecue.

Das Zeitfenster zwischen Barbecue und offizieller Semestereröffnung nutzten die Undergraduates um sich hemmungslos zu betrinken. Convocation ist das einzige Event an dem dies gesattet ist. Kein Wunder, sind die Mädels doch erst zarte 17 Jahre alt, wenn sie hier beginnen.

Die offizielle Convocation fand in der monumentalen John M. Greene Hall statt. Die Feierlichkeit der Örtlichkeit statt in krassem Widerspruch zur Montur der Studentinnen. Auf der Bühne saß die „Faculty“ in ihren Roben, angetan mit Blumenschmuck und Federboas. Im Publikum ungefähr 500 alkoholisierte Studentinnen mit den unterschiedlichsten Kostümen. Die einen Evagleich, viele in Lingerie, die meisten mit Plastiksonnenblumen an den unterschiedlichsten Körperteilen. Und mittendrin die AMS-Studenten in verbotenen Westernoutfits.

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Die Präsidentin des College, Kathleen McCartney hielt die Convocationspeech. Beflügelt von der orgiastischen Stimmung rief sie in die gröhlende Menge, die Federboa schwenkend:

„You are global citizen. You care about fossil fuels, about the Gaza conflict and Russia violating Ukraines border“.

So empowered brachen sämtliche Dämme und es folgte minutenlanges ohrenbetäubendes Gebrüll. Daraufhin wurde ein Video eines Auftritts der Black Eyed Peas vom Times Square in NYC gezeigt und alles tanzte wild zu „I gotta feeling, that tonight´s gonna be a good night“. Als sich die Menge wieder beruhigt hatte, setze McCartney gemeinsam mit der Vize-Präsidentin und der Dekanin noch eines drauf und entledigte sich ihrer Robe. Sehr zur Enttäuschung der Anwesenden verbargen sie darunter jedoch nur ihre eigens gedruckten Convocation T-Shirts. Überraschend gesittet wurde die Veranstaltung abgerundet durch ein klassisches Lied. Während alle aus vollem Halse die Hymne schmetterten, wurde ein Mädchen von ihren geschockten Freundinnen aus dem Publikum getragen. Das ganze Gesicht voller Blut, halb ohnmächtig aber gleichzeitig noch „Gaudeamus igitur“ schmetternd. Sie wurde der Campus Police übergeben, denn man hatte es eilig – Convocation Carnival rief.

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Das College hatte keine Unkosten gescheut und so genoss man den Rest des Abends bei Pizza, Icecream (of course) and Lemonade (zwecks Ausnüchterung). Eine DJAne war eigens eingeflogen worden, zu deren Musik man sich ein Airbrush Tatoo machen lassen, auf einer Hüpfburgen springen oder einen mechanischen Bullen reiten konnte. Viele der Mädels flippten völlig aus und so tanzten wir bis in die späte Nacht und rundeten den Abend ab mit einem Blick in das eigens herbeigeschaffte Teleskop.

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Und nach einem Blick auf den von Kratern übersäten Mond konnte das neue endlich Semester beginnen.

 

 

 

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