Christmas in New York

 

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Ladies and Gentlemen – besinnlich möchte ich meine New York Reihe beenden.

Weihnachten feierte ich mit einem aus der Heimat herbeigeeilten Prinzen in der Stadt die niemals schläft.

Nach einem pancake schwangeren Frühstück machten wir uns auf in die Stadt, um in der legendären City Bakery eine heiße Schokolade zu trinken – flüssiges Gold aus to-go-Bechern. Danach eilten wir durch den Regen zum Washington Square Park an dessen Arch – eine Replika des Pariser Arche de Triomphe – das traditionelle Christmas carolling stattfand. Regenschirm und Taschenlampe balancierend fielen wir ein in den Chorus und sangen Klassiker von O Come All Ye Faithful und Joy to the World über White Christmas bis zu Frosty The Snowman.

Anschließend bahnten wir uns den Weg durch das Meer von emporgereckten Kameras vorbei am Weihnachtsbaum und wanderten durch die leergefegte Stadt, bevor wir uns zu Hause dem Weihnachtsmahl hingaben. Es wurde Brie en Croute, an Kartoffelmousse und Rotkohl gespeist. Das perfekte Dinner für das erste Freudenfest fern der Heimat: Brie en Croute kocht sich der Amerikaner, wenn er sich französisch fühlen möchte; Kartoffelbrei darf nicht fehlen bei einem amerikanischen Festtagsmahl und der Rotkohl war „a nod“ an die Heimat.

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Underground is Overground

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New York ist nichts für gestresste Gemüter, ein Wochenende in Manhattan als Flucht vor dem hektischen Alltag ist keine gute Idee, die Navigation durch Midtowns Shoppingzonen, dieses Meer von stets emporgereckten Telefonen und ipads und die Steinwüsten Chelseas sind nichts für den geistig rastlosen.

Der Mensch ist aber ein Gewohnheitstier und so werden schier unendliche subwayfahrten mit der Zeit zum willkommenen Ort der Kontemplation. Die begeisterte New York Touristin nimmt dieselbe stoische Haltung der Metropendler ein und lernt, das Gleichgewicht zu halten in ruckelnden Bahnen in denen alle Festhaltemöglichkeiten verstellt sind.

Die Subways sind wie ein Mikrokosmos der Stadt, die sich oberirdisch abspielt: Pendler aller Couleur, jeglicher states of intoxication, unterschiedlicher Vorstellungen von angemessener körperlicher Nähe, Ideen von Lautstärkeregelungen und  Geduldspegeln sind zusammengepfercht auf engstem Raum. In der New Yorker u-Bahn ist der gemeine Großstädter gezwungen, an seinen Stressleveln und seiner Gelassenheit zu arbeiten, sonst ist er verloren.

Viele nutzen deshalb die endlosen Bahnfahrten in die outter boroughs -wer kann sich schon ein pied a terre auf Manhattan leisten- zum lesen, email schreiben (als entwurf, Internet ist unterirdisch sogutwie nonexistent), Musik hören, schlafen, sudoku spielen.

Tuesday night in the city. Die zweite Ladung derer, die es nicht mehr in die übervolle Bahn geschafft haben

 

 

 

 

New York, New York!

New York schlaucht. Es stinkt, ist laut, voll und die U-Bahnen machen was sie wollen… Und trotzdem kommt man wie elektrisiert spät abends nach Hause, von geistiger Müdigkeit keine Spur. New York scheidet die Geister, die Einen sind nur genervt und wollen von klaustrophobischen Gefühlen übermannt, ohne Umwege Manhattan verlassen.

6th Avenue durch das West Village

6th Avenue durch das West Village

Andere erobern die Stadt mit Begeisterung block für block, erfreuen sich an den legendären gelben Taxen, inhalieren den dicken Dunst von Abgasen und nehmen unzählige Videos von Strassenmusikern mit ihren Telefonen auf (um sie an Freunde zu schicken, die sich angesichts schlechter Qualität nur ein gequältes „nice“ abringen können). Sie unternehmen Raubzüge im East Village, wo einst der Punk seinen Ursprung fand und stehen vor den Schaufenstern der zahllosen „pierogi-places“ in der Lower East Side, wo sich einst osteuropäische Immigranten niederließen, nur um dann doch jeden Abend mit Begeisterung den fried rice vom Chinesen um die Ecke zu verzehren, weil sie sich angesichts der Flut von Wahlmöglichkeiten wieder nicht entscheiden konnten.

Sie flanieren durch Soho am südlichen Zipfel der Insel Manhattan, das legendäre Gebiet SOuth of HOuston Street, heute stomping ground für die Reichen und Schönen, die sich durch die überteuerten Boutiquen schieben. Trotzdem wandelt die New York Begeisterte über das Kopfsteinpflaster und stellt sich vor, wie früher hungernde und frierende Künstler in den zugigen Lofts gegen Ratten kämpften. Die Künstler sind längst vertrieben von der allgegenwärtigen Gentrifizierung und denen, die tatsächlich mit Kunst Geld verdienen – mit ihrer eigenen und der Kunst Anderer: Die Schauspieler in Soho und im West Village, den Galeristen in Chelsea und den reichen Museumsmäzenen wie die Kosmetikfamilie Lauder in der Park Avenue.

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New York ist die Welthauptstadt des Geldes, über die einem Taxifahrer nur zu gerne berichten. Auf einer Fahrt gen Uptown passiert man einen riesigen Appartmentkomplex. Die erstklassige Lage mit Blick auf den Hudson River wird nur dadurch gedämpft, dass zwischen Appartment und River der riesige, achtspurige Westside Highway verläuft. Weil in Amerika nichts unmöglich ist, wollte der Besitzer dieses Komplexes den Highway ganz einfach umlegen. Diesem Plan wurde zwar nicht stattgegeben, nun aber wird seit 2006 ein Tunnel gegraben. Der Kopf – oder sollte ich sagen das Ego – hinter dieser Idee war kein geringerer als Immobilienmagnat Donald Trump (der treue Blogleser kennt Trump aus meinem älteren blog über Coney Island). Hausnummern wie Trump sind diejenigen, die in der City das Sagen haben, weshalb seit Jahren Brooklyn der Zufluchtsort für die von der Insel Manhattan Vertriebenen ist. Inzwischen sind die Mieten in den Hipsterenklaven von Williamsburg, Brooklyn Heights und Park Slope aber auch schon so durch die Decke gegangen, dass viele die Stadt ganz verlassen wollen. Chicago erlebt Aufwind, erzählt man sich.

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Der geneigte New York Besucher versucht diese Entwicklung aber auszublenden und gibt sich lieber der romantischen Illusion hin. Wer weniger an protzigen Immobilienprojekten interessiert ist, braucht in New York allerdings einen Funken Fantasie: New York bezieht seinen Charme zu einem großen Teil durch „Erinnerungen“ an längst vergangene Zeiten– an die roaring twenties, in denen die Frauen von Haar und Korsage befreit in prohibitionsära Bars den Charleston tanzten; an das 19. Jahrhundert, in dem Einwanderer aus aller Welt auf Ellis Island erste Schritte zum großen Glück in der neuen Welt machten; und an die Zeit, als in Europa der zweite Weltkrieg tobte und New York seine erste Hochzeit als sicherer Hafen für Intellektuelle und Flüchtlinge aus Europa erlebte.

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Zurück auf dem harten Boden der breiten boardwalks New Yorks, irgendwann zwischen 2014 und 2015, erhaschen Lichtprojektionen auf der Fassade des Kaufhauses Saks auf der 5th Avenue die Aufmerksamkeit des müden Wanderers: Die zu Weihnachtsjazz tanzenden Schattengestalten wirken zuerst furchtbar kitschig. Wenn man dann aber doch innehält – das Smartphone zückend – kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass es sich hier nicht nur um gekünstelten Abklatsch handelt. Alles wirkt seltsam authentisch.

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Als ich neulich durch Chelsea schlenderte kam mir ein Gedanke.

OK, das stimmt nicht. Als ich neulich über einen Titel für meinen letzten Post grübelte, kam mir der Gedanke. Beziehungsweise, mir kam ein Bild. Das Bild vom Turmbau zu Babel. Die erste Version klingt irgendwie besser. Let´s face it, es soll ja auch gut klingen, aber dennoch –  ich habe mich weiterhin der Wahrheit verschrieben.

Anyways, auf der Suche nach einem Titel für meinen post über multikulti- New York, schoss mir der Gedanke an den Turmbau zu Babel und sein Symbol für den Ursprung aller Sprachen in den Kopf.

Die Bibel berichtet vorm Turmbau zu Babel als ein Versuch, durch die Höhe des Bauwerkes Gott gleich zu kommen und eine gemeinsame Sprache zu finden. In der bildenden Kunst wurde der Turm häufig zum Symbol für die menschliche Hybris stilisiert. Das lässt sich doch auch auf New York anwenden, oder? Die hochaufgeschossenen Bauwerke wie das Empire State Building, das Chrysler Building und das neue One World Trade Center mögen nach 9/11 mit neuen Bedeutungen belegt worden sein, zumindest vorher standen sie aber immer auch für einen amerikanischen Größenwahn und Hybris. Der Turmbau zu Babel gilt gleichzeitig auch als Geburtstande der verschiedenen Weltsprachen, denn von dort aus schickte Gott die Menschen mit unterschiedlichen Sprachen in die Welt. In New York ist es andersherum: Menschen aus aller Welt kamen in die Stadt, auf der Suche nach einem besseren Leben.

Ich finde, das Bild des Turms zu Babel passt gut zum Größenwahn Manhattans mit seinen abgehobenen Immobilienprojekten auf der einen Seite und dem Status als Einwandererstadt par excellence auf der anderen Seite, oder was meint ihr?

3 Weeks in Babel

Das beste an New York ist seine Vielfältigkeit. Nach drei Wochen New York war ich nicht nur in den USA, sondern auch in Italien, China, der Dominikanischen Republik und Kuba. Besonders eindrücklich war ein Trip nach Odessa…

New York ist nicht Amerika. New York ist Mumbai, Peking, Santo Domingo, Havanna, Nizza, Mailand, Malaga, Lissabon, Kiew und Moskau gleichzeitig. Die Stadt ist nicht nur Sitz der Vereinten Nationen, sie ist die vereinten Nationen. Es bedarf nur einen Trip zu einem grocery store in Inwood, im Norden Manhattans und die faszinierendsten Früchte werden von einem spanischsprechenden Verkäufer für seine Landsleute feilgeboten. Zwei Blöcke weiter werden russisches Gebäck und rote Beete in allen Aggregatzuständen von einer russischen Verkäuferin angepriesen, die zwar kein englisch, dafür aber deutsch spricht. Je nachdem wo man sich befindet, eine, zugegebenermaßen zeitweise beschwerliche, u-Bahnfahrt und man ist in einem anderen Land.

Unersättlich wie der Mensch nun einmal ist, entschieden wir uns deshalb eines morgens, nicht nur nach Coney Island, sondern auch in die Ukraine zu fahren: Little Odessa war das erklärte Ziel.

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Und so fanden wir uns nach unserem Spaziergang durch den geisterhaften Vergnügungspark Coney Island in einer Mischung aus Kiew und Sankt Petersburg wieder. Der berühmte Borschtsch im Restaurant “Tatiana´s” lockte. Ein beheiztes, dunkles Vorzelt mit Plastiktischdecken bildete den wenig versprechenden Eingangsbereich dieser New Yorker Institution, das an den berühmten hölzernen Boardwalk grenzt. Abenteuerlustig drangen wir in die Katakomben vor, wo uns ein geschäftiger Kellner auf Russisch empfing und uns, vorbei an üppig gedeckten, kronleuchterbeschienenen Tischen, in einen fensterlosen Raum führte.

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Maria, die Mutter Gottes blickte milde von der stoffbezogenen Tapete auf uns herab, während wir uns zögerlich auf den schleifengeschmückten Stühlen niederließen. Kronleuchter über jedem Tisch stellten sicher, dass wir die üppige Karte bestens studieren konnten, in der zweisprachig aufs amerikanischste die „awesome beetroot soup“ (Borschtsch) angepriesen wurde. Nach einigen Unklarheiten über die Fleischlosigkeit der diversen Teigtaschen, bestellten wir bei einer Kellnerin, die ausschließlich russisch sprach. Dank meiner begnadeten Russischkünste, bestellte ich mittels dreier Vokabeln Borschtsch, Kartoffeln und pierogi .

Da saßen wir dann bei russischen Klängen, in einem Meer von blutroten, Goldpapier umrankten Christrosen und wärmten die unterkühlten Glieder bei einem köstlichen Borschtsch auf. Einzig die mürrisch dreinblickenden Küchenhilfen, die maulig riesige Müllsäcke durch den Essenssaal schliffen, erinnerten noch an Amerika.

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