How it all began

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I hereby make the following provisions for the establishment and maintenance of an Institution for the higher education of young women, with the design to furnish for my own sex means and facilities for education equal to those which are afforded now in our Colleges to young men.

Im Jahr 1870 verfügte Sophia Smith, die Tochter eines wohlhabenden Bauern aus Hatfield, Massachusetts, ihr Erbe dafür einzusetzen, ein College zu gründen – Smith College. Wie fast alle Frauen ihrer Generation, war Sophia Smith nie in den Genuss einer höheren Ausbildung gekommen. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen, forderte sie, ein College zu gründen, dass ihrem Geschlecht dieselbe hervorragende Collegeausbildung ermöglichen würde, wie es Männer bereits seit Jahrhunderten genossen. Ihrem Willen wurde Folge geleistet und im Jahr 1875 öffnete das College seine Tore für die ersten Studentinnen. Heute ist Smith College mit 2600 Studentinnen das größte Women´s College der Vereinigten Staaten und eines der besten Liberal Arts Colleges des Landes.

Die Gründung des College fällt historisch in die Zeit der aufkommenden Frauenbewegung in Westeuropa und Amerika und so wurde Smith College schnell zur Keimzelle eines aufgeklärten Feminismus.

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Virginia Woolf

Immer am Puls der gesellschaftlichen Weiterentwicklungen packten in den 1920er Jahren einige Smithies ihre Koffer, um sich in London dem Bloomsbury Set um Virginia Woolf anzuschließen. Sie machten sich noch vor ihrer Graduation in Northampton auf, sich in London der Gruppe von Künstlern, Intellektuellen, Kritikern und Autoren anzuschließen. Gemeinsam mit ihnen suchten sie neue Antworten auf die hier noch heute so viel diskutierte Frage nach „How to live?“.

 

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Gloria Steinem

Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das College zur Brutstätte der feministischen Ideen die von 1968 an auf den Straßen des Landes ihre Ausdruck fanden. Die beiden Damen, die bis heute, wenn auch als Rivalinnen, als die Gesichter der Frauenbewegung der 1970er Jahre in den USA gelten, sind beide Smith Alumna: Gloria Steinem und Betty Friedan. Steinem graduierte 1956 bevor sie, wie sie behauptet „unfreiwillig“, zum Gesicht der Frauenbewegung der 70er Jahre aufstieg. Sie ist bis heute häufig für Lectures hier. Ihre Rivalin und Autorin des Manifests „The Feminine Mystique“ Betty Friedan machte ihren Abschluss 1942 und wurde weltberühmt durch die Organisation des Women´s Strike for Equality, bei dem sie am 26. August 1970 20 000 Frauen in New York City und Landesweit versammelte, um für Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu protestieren.

Bis heute weht der Geist dieser Frauen durch die Hallen des College, die Frauenrechte sind bis heute in allen Disziplinen ein zentrales Thema.

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Betty Friedan

Smith College nimmt als Geburtsort neuer Ideen im Kampf um Gleichberechtigung eine zentrale Rolle in in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Frauenrechten in den USA ein. Die Archive der Sophia Smith Collection und des Rare Book Room ziehen Wissenschaftler aus aller Welt an, um die größte Sammlung von Briefen, Bildern und Schriften von Virginia Woolf, aber auch Sylvia Plath und Gloria Steinem zu studieren.

In den letzten Jahren wurde die Diskussion um Fragen der Frauenrechte durch die Frage nach der sexuellen Identität erweitert. Wie es auf der Website des College zu lesen ist: „Smith is a place where students are able to explore who they are in an open and respectful environment“. Um dieser Exploration nichts in den Weg zu legen, sind alle besonders bewusst im Umgang mit Geschlechtszuordnung. Das Thema der (sexuellen) Identität ist hier so delikat, dass man sich vereinzelt unsicher ist, mit welchem Pronomen seinen Nachbarn belegen soll. Ist sie wohl eine „she“ oder ein „he“ oder möchte sie lieber neutral (nicht mit gespaltener Persönlichkeit) „they“ sein? Für die unentschlossenen wurde eigens das Pronom „ze“ geschaffen. Jede Begrüßungsrunde beginnt damit, dass man sich mit seinem „preferred gender pronoun“ vorstellt. Einzig auf der Geburtsurkunde muss stehen, dass man weiblich ist, was danach passiert, insbesondere nach Eintritt im Smith College, ist erlaubt, auch wenn es sich hier offiziell um ein Frauencollege handelt.

Generell ist die Dichte von homosexuellen Frauen hier exorbitant hoch, doch das scheint noch nicht zu allen vorgedrungen sein. An den Wochenenden mischt sich aber das Studentenvolk der angrenzenden 5 Colleges auf Collegeparties. Und so kann es vereinzelt zum äußersten kommen: Männer auf einer Smith Party.

So trug es sich vor einigen Wochen zu, dass ich mich mit ein paar Mädels auf eine der legendären Parties begab, in denen sich Gleich und Gleich miteinander auf der Tanzfläche und abseits vergnügten. Wir versuchten cool zu uns unbekanntem Hip Hop zu wippen, als sich ein Mädchen aus einer Traube von 5 eng umschlungenen Mädels löste. Auf zwei verloren dreinblickenden Jungs im Pulk 19jähriger Mädels beim Nahtanz deutend raunte sie mir zu: „These guys are like so ridiculous, they don´t know we are like all gay here“. Auf meine perplexe und peinlich unüberlegte Erwiderung „But I´m straight“ hatte sie nur ein mitleidiges „Oh, good luck“ übrig, bevor sie sich wieder ihrer Sechser-twerking-Situation hingab.

Die Smith-Flure sind geprägt vom Bild sogenannter SLUG´s – Smith Lesbians Until Graduation: Und so kann es kommen, dass Meredith aus Portland beim Kennenlernentreffen des Hauses noch fromm Armbänder verteilt, die sie im „Camp“ selbst knüpfte und sich einen Monat später mit ihrer Freundin im Wohnzimmer vergnügt. Welcome to Smith…

 

 

All Pictures courtesy of Smith College Archives.

Festival of the Self

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#myview #theautumnleaves #roadtrip #sorrynotsorry

 

Wir leben nicht nur in einer Zeit in dem die News von Heute morgen schon wieder vergessen sein können und in der man Freunde hat, die man nicht kennt. Wir leben auch in einer Zeit, in der jeder die Chance hat, sich ein virtuelles Leben seiner Wahl zu designen. Das Internet ist voll von Selbstdarstellungsplattformen auf denen Menschen sich, trunken von ihrem eigenen, manipulierten, Spiegelbild, darstellen können, wie es ihnen beliebt. So können wir uns Selbstbildnisse basteln, die mit uns selbst nur noch im entferntesten etwas zu haben. Ob das heisst, dass wir mit mildem Mona Lisa Lächeln, den Kopf taubenhaft zur Seite geneigt – damit der Zopf zu sehen ist, sonst siehts aus, als hätte man keine Haare – das 2348. Selfie schießen und es mit einem lakonischen #nofilter versehen, um es auf dem Medium unserer Wahl hochzuladen oder unser Leben so aussehen lassen, als sei es eine endlose Abfolge von Coffee sit ins in edler Umgebung und tiefgründigem sinnieren in idyllischer Kulisse – wir können uns unsere Welt so designen, wie sie uns gefällt.

Wir feiern ein orgiastisches “festival of the self”.

Und jeder Moment kann photographisch festgehalten werden. Es bleibt spannend, wie sich die Erinnerung von Menschen verändert wird. Schließlich kann jede Tasse Café, jedes hübsche Herbstblatt und jede Regung eines Babies sofort mittels der Handykamera festgehalten werden. Ob das dazu führen wird, dass ich in 30 Jahren eine wesentlich klarere Erinnerung an Ereignisse von früher haben werde, als Menschen die sich heute an ihr Leben vor 30 Jahren zurückerinnern?

Wahrscheinlich werden wir in 30 Jahren bei einem Blick auf alte Selfies und Schnappschüsse mit einem milden Lächeln feststellen “Ach, so wollte ich mich also damals darstellen…”.

Anschließend werden wir das alte Bild abfotografieren und mit den Hashtags #throwbackfriday und #good times auf der Social Media Platform unserer Wahl hochladen.